Museum Baruther Glashütte

Manuelle Glasfertigung als Kulturerbe der Menschheit

Potsdam | 20.02.2017

Foto: Gaudlitz
Foto: Gaudlitz

Das Expertenkomitee für das Immaterielle Kulturerbe ermuntert das deutsche Netzwerk der manuellen Glasfertigung von mundgeblasenem Hohl- und Flachglas, sich gemeinsam mit Partnern aus dem Ausland als multinationale Kulturform aufzustellen. Professor Christoph Wulf, Vize-Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission, sieht vor allem in den bereits vorhandenen internationalen Kontakten der Trägergemeinschaft eine gute Voraussetzung, mundgeblasenes Glas weltweit als erhaltensbedürftig oder auch repräsentativ für das Kulturerbe der Menschheit durch die UNESCO anerkannt zu wissen.

Kaum 1000 Glasmacherinnen und Glasmacher können in Deutschland noch manuell Glas blasen. Auch andere Länder, mit denen die deutsche Trägergruppe zusammenarbeitet, erleben einen rapiden Verlust dieser Kulturtechniken. Ziel ist es, unter dem Motto des Immateriellen Kulturerbes „Wissen. Können. Weitergeben.“ die Handwerkstradition der arbeitsteiligen Glasherstellung international zu dokumentieren, aber auch durch eine konzertierte Strategie zu bewahren. Das LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim, die Glashütte Lamberts in Waldsassen sowie das Glasstudio im Museum Baruther Glashütte, die die initiative Trägergruppe bilden, planen internationale Themenworkshops, um einen Austausch über erhaltensbedürftige Fertigungstechniken zu erreichen. Glasmacherinnen und Glasmacher aus denLändern, die für die Praxis des Glasmachens berühmt sind, z.B. Finnland, Schweden, Italien oder Tschechien, gilt es nun, in Projekten und Workshops eng zusammenzuführen. Die Techniken der Gasherstellung sollen dadurch systematisch tradiert, dokumentiert und bewahrt werden.  Katrin Holthaus (LWL-Industriemuseum), Hans-Reiner Meindl (Glashütte Lamberts) und Georg Goes (Museum und Glasstudio Baruther Glashütte) freuen sich auf die Aufgabe, die Netzwerke im Glasbereich länderübergreifend enger zu knüpfen und durch einen Strauß von Ausstellungen, Workshops und Tagungen die „manuelle Glasfertigung von mundgeblasenem Hohl- und Flachglas“ durch den Status als Erbe der Menschheit aus einer mehrtausendjährigen Tradition für die Zukunft zu bewahren. „Es motiviert, durch eine mehrjährige engagierte Arbeit für das Glas vielleicht im Jahr 2019 eine Nominierung zu erreichen. Wir wollen demonstrieren, dass beim Glasblasen Tradition und Innovation im Einklang gelingen können.“

Seit 2003 unterstützt die UNESCO den Schutz, die Dokumentation und den Erhalt von Kulturformen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. 430 Bräuche, Darstellungskünste, Handwerkstechniken und Naturwissen aus aller Welt sind derzeit von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe anerkannt, darunter der Tango aus Argentinien und Uruguay, die traditionelle chinesische Medizin und die italienische Geigenbaukunst. Bis heute sind 171 Staaten dem UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes beigetreten. Deutschland ist seit 2013 Vertragsstaat.

Zum Immateriellen Kulturerbe zählen lebendige Traditionen aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturwissen und Handwerkstechniken. Formen Immateriellen Kulturerbes sind entscheidend von menschlichem Wissen und Können getragen. Sie sind Ausdruck von Kreativität und Erfindergeist, vermitteln Identität und Kontinuität. Sie werden von Generation zu Generation weitergegeben und immer wieder neu gestaltet. Immaterielles Kulturerbe ist oft auch die Grundlage von materiellem Kulturerbe. Auf nationaler Ebene ist die „Manuelle Fertigung von mundgeblasenem Hohl- und Flachglas“ seit 2015 als Immaterielles Kulturerbe anerkannt.

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